Dr. med. Markus Scherbring    

Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

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Vitamin K

 

Vitamin K ist ein überlebenswichtiges Medikament. Es wird als Kofaktor für mehrere Gerinnungsfaktoren benötigt. Ist Vitamin K nicht ausreichend im Körper vorhanden, so kommt es zu Gerinnungsstörungen. Insbesondere durch Vitamin K-Mangel ausgelöste Hirnblutungen sind gefürchtet. Daher wird Vitamin K als eine Prophylaxe (vorsorgliche Maßnahme) dem Neugeborenen gegeben.

Beim Säugling kann es schon am 1. Lebenstag zu einer schweren Blutungsneigung als Frühform einer Vitamin K-Mangelblutung kommen. Auch eine Gehirnblutung kann dadurch entstehen. Häufig war in diesen Fällen die Schwangerschaft durch Medikamenteneinnahme kompliziert: Abführmittel, Medikamente gegen epileptische Anfälle, gerinnungshemmende Medikamenten (sog. Vitamin K-Antagonisten) und Antibiotika können auch bei der Mutter zu niedrigen Vitamin K-Spiegeln führen.

Die klassische Form der Vitamin K-Mangelblutung äußert sich bei 0,1-1 % der Neugeborenen bei fehlender Vitamin K-Prophylaxe zwischen dem 2. und 5. Lebenstag durch verschiedene Problem: neben der Gehirnblutung kann es auch zu starken Nabelblutungen, Schleinhautblutungen, Neigung zu flächenhaften Blutungen der Haut (sog. Hämatomen), Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Blutungen aus Punktionsstellen kommen.

Gründe vor der Geburt für dieses Problem sind eine ungenügende Übertragung von Vitamin K von der Mutter auf das Kind durch die intakte Mutterkuchenschranke und die, geringe Fähigkeit der Säuglingsleber Vitamin K zu speichern. Zusätzlich trinken die Säuglinge in den ersten Lebenstagen relativ wenig. Auch weist die Muttermilch einen sehr niedrigen Gehalt an Vitamin K auf. Im Vergleich zur Kuhmilch enthält Muttermilch nur ¼ Vitamin K. Hinzu kommt noch die fehlende Besiedlung des Darms mit Vitamin K produzierenden Bakterien zu Beginn der Säuglingszeit.

Daher haben eher vollgestillte Säuglinge, die keine Vitamin K -Prophylaxe erhalten haben, das Problem der schlechten Blutgerinnung. Im Vergleich hierzu kommt das Problem der schlechten Blutgerinnung bei vollgestillten Säuglingen mit Vitamin K-Prophylaxe seltener vor. Ebenso verhält es sich bei Säuglingen, die industriell hergestellte Säuglingsnahrung bekommen, da diese künstlich mit Vitamin K angereichert wird.

Jenseits der 1. Lebenswoche treten ebenfalls Vitamin K Mangelblutungen auf. Auch hier gilt, das es sich dann oft um vollgestillte Säuglinge handelt, die kein zusätzliches Vitamin K erhalten haben. Hinzu kommen noch Kinder mit Grundkrankheiten wie chronischer Durchfall, Mukoviszidose und verschiedene andere, insgesamt seltene Leber- und Stoffwechselstörungen. Auch einseitige Ernährung mit Sojamilch führt zum Vitamin K-Mangel, wenn diese Nahrung nicht angereichert wird.

Früher wurde die Vitamin K-Gabe direkt nach der Geburt in den Muskel des Neugeborenen verabreicht (Sog. i.m. Injektion). Daraufhin wurden Vitamin K-Mangelblutungen praktisch nicht mehr gesehen. Berichte über das gehäufte Auftreten von bösartigen Geschwulsten (sog. Malignomen) nach i.m. Vitamin K-Gabe führte zum Einstellen dieser Verabreichungstechnik. Eine einmalige orale (geschluckte) Vitamin K-Gabe führte leider wieder zu einem Ansteigen der Vitamin K-Mangelblutungen.

Daher wird beim gesunden Säugling heutzutage 3-malig Vitamin K oral empfohlen: am 1. Lebenstag, zwischen dem 5. und 7. Lebenstag und in der 3. bis 4. Lebenswoche.

Bei kranken Säuglingen und Frühgeborenen wird gelegentlich auch die Gabe mittels Injektion empfohlen.

 

 

Zusammenfassung:

Seit der Durchführung der Vitamin K-Prophylaxe direkt nach der Geburt (1. Dosis), bei der U2 (2. Dosis, 3.-10-Lebenstag) und U3 (3. Dosis, 4.-6- Lebenswoche) wird die klassische Form der Vitamin K-Mangelblutung praktisch nicht mehr beobachtet. Wenn diese Erkrankung noch auftritt, ist entweder gar keine Vitamin K-Gabe erfolgt oder es liegt ein seltener Stoffwechseldefekt oder eine nicht ausreichende Vitamin K-Aufnahme aus dem Darm vor.

Fehlende Vitamin K-Prophylaxe kann zu Gerinnungsstörungen auch beim ansonsten gesunden Säugling führen. Diese kann im schlimmsten Fall zu einer Hirnblutung mit der Folge geistiger Schäden oder sogar zum Tod führen.

 

 

Literatur:

-         Neugeborene brauchen Vitamin K; http://www.kinderaerzteimnetz.de, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)

-         M. Obladen, Neugeborenenintensivpflege, 5. völlig überarbeitete Auflage

-         Arzneiverordnungen in Schwangerschaft und Stillzeit, 5. Auflage

-         Lentze, Schaub, u.a.; Pädiatrie

-         Leitlinie der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Leitlinien Uni Duesseldorf

-         Klinikleitfaden Pädiatrie, 7. Auflage 2006

 

 

Diese Homepageseite wurde zuletzt überarbeitet am 31. Oktober 2006.

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