Dr. med. Markus Scherbring    

Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

Jenastieg 5, 38124 Braunschweig

Tel. 0531/690356

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  Ernährung

 

Beginn  
 

In den ersten Monaten macht die Ernährung des Kindes häufig keine Probleme. Entweder stillen die Mütter, da das Stillen nach wie vor die beste Ernährung für den Säugling darstellt, oder es wird eine industriell gefertigte Säuglingsnahrung gegeben: Diese Nahrungen haben häufig den Zusatz „Pre“ in ihrem Namen, womit eine adäquate, säuglingsgerechte Ernährung signalisiert wird. Diese Nahrungen können ad libitum gefüttert werden, d.h. der Säugling darf soviel davon trinken wie er mag.

 

Folgemilch  
 

Bei den sich hieran anschließenden Folgemilchen I bzw. II sollten die Packungsempfehlungen beachtet werden, da diese Nahrungen auch andere Zucker enthalten, die schneller sättigen, aber auch eher ungewollt dick machen, wenn zuviel dieser Nahrungen gegeben wird.

 

HA Nahrung  
 

Nahrungen mit dem Zusatz „HA“ sind hypoallergen, d.h. dass die Industrie die Nahrungsbestandteile soweit aufgeschlüsselt hat, dass Eiweiße, die Allergien auslösen können, in ihrer Menge reduziert wurden. Diese Nahrung ist häufig jedoch teurer als „normale“ Nahrung und muß nicht zwingend gegeben werden.

 

Beikost  
 

Noch schwieriger wird die Ernährung, wenn ab dem 5. Lebensmonat die sogenannte Beikost eingeführt wird, ich habe Ihnen daher als Beispiele 3 Nahrungsrezepte im Anschluß an diesen Text aufgeführt, wenn Sie Babykost selbst herstellen wollen. Die entsprechenden Namen von industriell hergestellten Produkten folgen beispielhaft nach einem Gleichheitszeichen (=). Nach Einführung der Beikost sollte bis zum Ende des 1. Lebensjahres mindestens eine Milchmahlzeit pro Tag bestehend aus Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung gegeben werden.

 

Allergie  
 

Wenn in Ihrer Familie gehäuft Allergien vorkommen, ist es eventuell ratsam 6 Monate zu stillen (oder eine altersentsprechende HA-Nahrung zu geben)und erst dann mit der Beikost zu beginnen. Auch sollten nicht zu viele verschiedene Inhaltsstoffe oder gar exotische Sorten in schnell wechselnder Reihenfolge gegeben werden.  

Im März 2009 wurde die neue S3-Leitlinie zur Allergieprävention veröffentlich. Sie stellt das aktuelle Wissen zur Primärprävention des allergischen Asthma bronchiale, der atopischen Dermatitis ("Neurodermitis") und der allergischen Rhinokonjunktivitis ("Heuschnupfen") dar:

Ein "Risikokind" für Allergien ist definiert: "Ein Elternteil und/oder ein Geschwister hat eine atopische ("allergische") Erkrankung.

Dann wird empfohlen:

1.) Stillen über 4 Monate oder falls nicht möglich partielle oder voll hydrolysierte Nahrung (nur Risikokinder!)

2.) Beikost ab 5. Monat

3.) keine Felltiere außer Hund

4.) Tabakrauch-freie Umgebung (auch kein Passivrauchen!! wie Rauchen auf dem Balkon etc.)

5.) schimmelfeindliches Innenraumklima

6.) Meidung von KFZ-Immissionen

7.) vermehrter Fischkonsum während der Schwangerschaft und während des ersten Lebensjahres

8.) Vermeidung von Adipositas ("Übergewicht")

 

Ungeeignetes  
 

Handelsübliche Kuhmilch bzw. Trinkmilch ist in den ersten 10 –12 Lebensmonaten nicht empfehlenswert, da der Eisengehalt relativ niedrig ist und bei Säuglingen gehäuft Blutverluste im Stuhl vorkommen können.

Ziegenmilch oder Stutenmilch ist für die Säuglingsernährung ungeeignet!

Zusätzlich sollten auch möglichst wenig Milchprodukte (z.B. Joghurt, Quark) gegeben werden, da im 2. Lebenshalbjahr bereits eine weit über dem Bedarf liegende Eiweißzufuhr erfolgt. Noch mehr Eiweiß belastet den Stoffwechsel und die Nieren zusätzlich.

 

Zum 1. Geburtstag  
 

Gegen Ende des ersten Lebensjahres geht man auf die Familienernährung über. Jetzt sollten die Zwischenmahlzeiten bevorzugt aus Obst und Getreide oder Getreideprodukten bestehen.

 

 

Mit Beginn des 2. Lebensjahres kann die Milch in Form von handelsüblicher pasteurisierter Trinkmilch oder ultrahocherhitzter (H-) Milch, z.B. als Getränk zu den Brotmahlzeiten, gegeben werden. Auch ein Austausch 1:1 gegen Joghurt ist möglich. Auf Quark sollte wegen dem hohen Eiweiß- und Kaseingehalt bei niedrigem Kalziumgehalt verzichtet werden.

 

Vitamine  
 

Die Rachitisprophylaxe mit Vitamin D wird ab dem 5. Lebenstag in Kombination mit der Kariesprophylaxe empfohlen. Dazu wird täglich eine Tablette mit 500 Einheiten Vitamin D und 0,25 mg Fluorid für mindestens 1 Jahr verabreicht, wobei sie im Herbst bzw. Winter nicht beendet werden sollte. Das bedeutet, dass die im Herbst und Winter geborenen Kinder die Prophylaxe über den nächsten Winter hinweg erhalten sollen. Diese Tabletten erhalten Sie frei verkäuflich aber auch gegen ein Kassenrezept von Ihrem Kinderarzt in der Apotheke.

 

Beikost Selberkochen  

 

 

Die nachfolgenden Beispiele sind nur Empfehlungen. Erwarten Sie bitte nicht, dass sich Ihr Kind freudig auf den angebotenen Brei stürzen wird. Häufig dauert es länger bis das Löffelchen akzeptiert wird. Lassen Sie sich also nicht ins Bockshorn jagen, wenn es nicht sofort klappt. Ein genommener Löffel Brei ist schon ein toller Erfolg.

 

 

 

Erster Brei (ab 5. Monat)            Gemüse-Kartoffel-Fleisch

 

90-100 g          Gemüse

40-60 g            Kartoffeln

30-45 g            Obstsaft

20-30 g            Fleisch

8-10 g              Öl

 

= Baby- / Junior-Menü

 

 

 

weiter Brei (ab 6. Monat)            Vollmilch-Getreide

 

200 g               Vollmilch

20 g                 Getreideflocken

20 g                 Obstsaft /-püree

 

= Milchfertigbrei

 

 

Dritter Brei (ab 7. Monat)            Getreide-Obst

 

20 g                 Getreideflocken

90 g                 Wasser

100 g               Obst

5 g                   Butter

 

= Getreide-Obst-Brei

 

 

Literatur:  
  - Rossi, Kinderheilkunde, Thieme Verlag

- Lentze, Schaub, u.a.; Pädiatrie, Springer Verlag

- päd (13) 2007, Prof. Armin Wessel, Medizinische Hochschule Hannover, Zentrum Kinderheilkunde und Jugendmedizin, OE 6730, 30623 Hannover

- aktuelle Leitlinie der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin und der Dt. Ges. f. Gynäkologie und Geburtshilfe

- Empfehlung der Deutschen Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden (2000): Monatsschr Kinderheilkd 148, 1154-1157

- Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma

 

 

Diese Homepageseite wurde zuletzt überarbeitet am 14. März 2011.

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